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Emotionale Intelligenz

Stressbewältigung und Sprechen: Flexibilität, Stresstoleranz, Optimismus

Unter Druck greift der Kopf schlechter auf Wörter zu. Stresstoleranz und Flexibilität entscheiden, ob Ihr Englisch auch dann noch verfügbar ist.

Der fünfte Bereich beschreibt, wie Sie mit Veränderung, Druck und Rückschlägen umgehen. Genau hier zeigt sich oft der Unterschied zwischen dem Englisch im Kurs und dem Englisch vor dem Vorstand.

Flexibilität (Flexibility)

Gemeint ist, Gefühle, Gedanken und Verhalten an neue Situationen anzupassen.
Beim Sprechen: Läuft das Gespräch anders als vorbereitet, hält ein flexibler Kopf mit. Ein Skript im Kopf bricht dagegen leicht.
Als Stärke nutzen: Bereiten Sie Kernaussagen vor, keine ganzen Sätze. Dann können Sie umbauen, ohne den Faden zu verlieren.

Stresstoleranz (Stress Tolerance)

Gemeint ist, mit belastenden Situationen umzugehen und handlungsfähig zu bleiben.
Beim Sprechen: Unter Druck wird der Zugriff auf eine Fremdsprache schwerer, weil Aufmerksamkeit in die Sorge statt in den Satz fließt.
Als Stärke nutzen: Ein ruhiger, langer Ausatem vor der Wortmeldung und ein erster Satz, den Sie im Schlaf können.

Optimismus (Optimism)

Gemeint ist, zuversichtlich zu bleiben und auch nach Rückschlägen eine positive Haltung zu behalten.
Beim Sprechen: Ein misslungener Satz wird für Optimistinnen zur Erfahrung, für Pessimistinnen zum Beweis. Das entscheidet, ob Sie es beim nächsten Mal wieder versuchen.
Als Stärke nutzen: Notieren Sie nach jedem Meeting einen Moment, der gelungen ist, so klein er auch war.

Eine Frage für Sie

Woran merken Sie, dass Ihr Englisch unter Druck schmaler wird, und was hilft Ihnen sonst bei Stress?
Die Zuordnungen zum Sprechen sind Erfahrungswerte aus meiner Mentoring-Praxis, keine Aussagen von MHS. EQ-i 2.0® ist eine eingetragene Marke von Multi-Health Systems Inc.
Das EQ-i 2.0 Modell der emotionalen Intelligenz mit fünf Bereichen und 15 Teilkompetenzen
Mit freundlicher Genehmigung der Multi-Health Systems Inc., Kanada

Vertiefung: Was die Forschung über Stress beim Sprechen zeigt

Stressbewältigung ist im EQ-i 2.0 keine Frage von Ruhe um jeden Preis. Die Forschung der letzten Jahre zeigt eher das Gegenteil: Entscheidend ist, wie Sie die körperliche Anspannung deuten, nicht ob sie auftritt.

Anspannung umdeuten statt unterdrücken

Alison Wood Brooks von der Harvard Business School ließ Versuchspersonen vor einer Rede, einer Rechenaufgabe oder einem Gesangsauftritt einen einzigen Satz sagen. Wer „Ich bin aufgeregt“ im Sinne von „Ich freue mich darauf“ sagte, schnitt besser ab als jene, die sich „Ich bin ruhig“ vorsagten. Der Grund: Der Puls ist in beiden Fällen hoch. Ruhe zu behaupten widerspricht dem Körper, Vorfreude nutzt ihn.
Jeremy Jamieson und Kolleg:innen kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Wer vor einer Prüfung erfuhr, dass Erregung die Leistung unterstützen kann, zeigte ein günstigeres Herz-Kreislauf-Muster und bessere Ergebnisse. Die Anspannung blieb, ihre Wirkung änderte sich.

Warum Stress die Fremdsprache zuerst trifft

Die Attentional Control Theory von Michael Eysenck beschreibt, was unter Druck mit dem Arbeitsgedächtnis passiert: Sorgen beanspruchen dieselbe Steuerung, die Sie zum Abrufen von Wörtern und zum Formulieren brauchen. In der Muttersprache läuft vieles automatisch. In der Fremdsprache ist mehr bewusste Steuerung nötig, und genau dort fehlt sie zuerst. Darum kann dieselbe Person auf Deutsch souverän widersprechen und auf Englisch den Satz nicht beenden.

Was das für Flexibilität, Stresstoleranz und Optimismus heißt

Für die drei Teilkompetenzen ergibt sich ein praktisches Bild. Flexibilität zeigt sich darin, einen Satz umbauen zu können, wenn das gesuchte Wort fehlt. Stresstoleranz heißt, die Anspannung zu bemerken und trotzdem zu sprechen. Optimismus beschreibt die Erwartung, dass der nächste Beitrag gelingen kann, auch wenn der letzte holprig war. Alle drei lassen sich üben, weil sie auf Deutungen beruhen und nicht auf festen Eigenschaften.
Im Mentoring nutzen wir diese Befunde ganz konkret: Wir bereiten Sätze vor, die auch bei hohem Puls abrufbar bleiben, und üben, die Aufregung als Signal für Bedeutung zu lesen. Das ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, wenn Stress über das Meeting hinaus belastet.

Ihr nächster Schritt

Quellen

  • Brooks, A. W. (2014). Get excited: Reappraising pre-performance anxiety as excitement. Journal of Experimental Psychology: General, 143(3), 1144–1158.
  • Eysenck, M. W., Derakshan, N., Santos, R. & Calvo, M. G. (2007). Anxiety and cognitive performance: Attentional control theory. Emotion, 7(2), 336–353.
  • Jamieson, J. P., Nock, M. K. & Mendes, W. B. (2012). Mind over matter: Reappraising arousal improves cardiovascular and cognitive responses to stress. Journal of Experimental Psychology: General, 141(3), 417–422.
  • Multi-Health Systems (MHS): EQ-i 2.0, abgerufen am 31.10.2026.
  • Teimouri, Y., Goetze, J., & Plonsky, L. (2019). Second language anxiety and achievement: A meta-analysis. Studies in Second Language Acquisition, 41(2), 363–387.