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Emotionale Intelligenz

Zwischenmenschliches und Sprechen: Beziehungen, Empathie, soziale Verantwortung

Wer Beziehungen und Empathie stark nutzt, spricht auf Englisch für Menschen statt vor Prüfern. Das nimmt dem Moment viel von seinem Druck.

Der dritte Bereich beschreibt, wie Sie mit anderen in Verbindung gehen. Hier liegt für viele Frauen eine große, oft unterschätzte Ressource: Sie lesen Räume gut. Die Frage ist, ob Sie diese Stärke auch auf Englisch nutzen oder ob sie sich gegen Sie wendet.

Zwischenmenschliche Beziehungen (Interpersonal Relationships)

Gemeint ist, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.
Beim Sprechen: Mit vertrauten Kolleginnen läuft das Englisch, vor Fremden stockt es. Beziehung wirkt wie ein Sicherheitsnetz.
Als Stärke nutzen: Suchen Sie vor dem Meeting kurz den Kontakt zu einer Person im Raum. Ein vertrautes Gesicht verändert, wie Sie sprechen.

Empathie (Empathy)

Gemeint ist, die Gefühle und Perspektiven anderer zu erkennen und zu verstehen.
Beim Sprechen: Empathie kann kippen: Statt zu spüren, was das Gegenüber braucht, versucht man zu erraten, wie das eigene Englisch ankommt.
Als Stärke nutzen: Richten Sie die Aufmerksamkeit nach außen. Fragen wie What matters most to you here? holen Sie aus dem Selbstbeobachten heraus.

Soziale Verantwortung (Social Responsibility)

Gemeint ist, zum Wohl der Gruppe beizutragen und Verantwortung für andere zu übernehmen.
Beim Sprechen: Für sich selbst zu sprechen fällt schwer, für das Team zu sprechen oft leichter. Dieser Antrieb ist ein guter Startpunkt.
Als Stärke nutzen: Beginnen Sie mit dem Wir: On behalf of my team… Der Fokus wandert von Ihnen zur Sache.

Eine Frage für Sie

Mit wem fällt Ihnen Englisch leicht, und was ist in dieser Beziehung anders?
Die Zuordnungen zum Sprechen sind Erfahrungswerte aus meiner Mentoring-Praxis, keine Aussagen von MHS. EQ-i 2.0® ist eine eingetragene Marke von Multi-Health Systems Inc.
Das EQ-i 2.0 Modell der emotionalen Intelligenz mit fünf Bereichen und 15 Teilkompetenzen
Mit freundlicher Genehmigung der Multi-Health Systems Inc., Kanada

Vertiefung: Beziehung, Vertrauen und die Bereitschaft zu sprechen

Ob jemand im Meeting spricht, hängt weniger vom Wortschatz ab als von der Situation und den Menschen im Raum. Drei Forschungslinien zeigen, warum der zwischenmenschliche Bereich des EQ-i 2.0 so eng mit dem Sprechen auf Englisch verbunden ist.

Sprechbereitschaft entsteht im Moment

Peter MacIntyre und Kolleg:innen beschrieben die Bereitschaft, in einer Fremdsprache zu kommunizieren, als Pyramide. An der Spitze steht die Entscheidung im Augenblick: Spreche ich jetzt oder nicht? Darunter liegen die Beziehung zu den Gesprächspartner:innen, das Selbstvertrauen in genau dieser Situation und der Wunsch, mit einer bestimmten Person zu sprechen. Wer zu einem Menschen im Raum eine tragfähige Beziehung hat, spricht eher, auch mit Fehlern.

Psychologische Sicherheit im Team

Amy Edmondson zeigte an Teams in einem Industrieunternehmen, dass Teams mit hoher psychologischer Sicherheit mehr Lernverhalten zeigen: Sie fragen nach, sprechen Fehler an und holen Rückmeldung ein. Für Menschen, die in einer Fremdsprache arbeiten, verstärkt sich dieser Effekt, weil jeder Beitrag zusätzlich sprachlich sichtbar ist.

Vertrauen in mehrsprachigen Teams

Helene Tenzer, Markus Pudelko und Anne-Wil Harzing untersuchten deutsche Konzerne mit internationalen Teams. Sprachbarrieren beeinflussten das Vertrauen auf zwei Wegen: über die Einschätzung, ob jemand kompetent und verlässlich ist, und über Gefühle wie Unsicherheit oder Ärger. Wer wenig sprach, wurde seltener als vertrauenswürdig wahrgenommen, obwohl die fachliche Leistung stimmte.

Was das für Beziehungen, Empathie und soziale Verantwortung heißt

Zwischenmenschliche Beziehungen sind damit ein direkter Hebel für mehr Redeanteil. Empathie hilft zu erkennen, wer im Raum ebenfalls in der Zweitsprache arbeitet und Unterstützung braucht. Soziale Verantwortung zeigt sich darin, als Führungskraft Gesprächsregeln zu setzen, die auch leise Stimmen hörbar machen.
Im Mentoring planen wir deshalb nicht nur Sätze, sondern auch Verbündete: Mit wem sprechen Sie vor dem Meeting, wer greift Ihren Punkt auf, und wie öffnen Sie selbst den Raum für andere?

Ihr nächster Schritt

Quellen

  • Dewaele, J.-M., & MacIntyre, P. D. (2014). The two faces of Janus? Anxiety and enjoyment in the foreign language classroom. Studies in Second Language Learning and Teaching, 4(2), 237–274.
  • Edmondson, A. (1999). Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
  • MacIntyre, P. D., Clément, R., Dörnyei, Z. & Noels, K. A. (1998). Conceptualizing willingness to communicate in a L2. The Modern Language Journal, 82(4), 545–562.
  • Multi-Health Systems (MHS): EQ-i 2.0, abgerufen am 31.10.2026.
  • Tenzer, H., Pudelko, M. & Harzing, A.-W. (2014). The impact of language barriers on trust formation in multinational teams. Journal of International Business Studies, 45(5), 508–535.