Zum Inhalt springen
← Alle Ratgeber
Emotionale Intelligenz

Selbstwahrnehmung und Sprechen: Selbstachtung, Selbstverwirklichung, emotionale Selbstwahrnehmung

Wer sich selbst gut kennt und schätzt, bewertet einen Fehler auf Englisch als Fehler und nicht als Urteil über sich. Das macht Sprechen leichter.

Der erste Bereich des EQ-i 2.0 fragt, wie Sie sich selbst sehen. Beim Sprechen in der Fremdsprache ist das oft der Kern: Nicht das fehlende Wort bremst, sondern der Gedanke, was ein Fehler über Sie aussagen könnte.

Selbstachtung (Self-Regard)

Gemeint ist, sich mit Stärken und Schwächen zu respektieren und anzunehmen.
Beim Sprechen: Ist sie gut verfügbar, bleibt ein holpriger Satz ein holpriger Satz. Ist sie gerade angeschlagen, fühlt sich jeder Fehler an wie ein Beweis, nicht gut genug zu sein, und das Schweigen wirkt sicherer.
Als Stärke nutzen: Erinnern Sie sich vor dem Meeting bewusst daran, wofür man Sie fachlich schätzt. Ihre Expertise wird nicht kleiner, nur weil Sie sie auf Englisch formulieren.

Selbstverwirklichung (Self-Actualization)

Gemeint ist der Wunsch, sich weiterzuentwickeln und sinnvolle Ziele zu verfolgen.
Beim Sprechen: Wer weiß, wofür sie spricht, etwa für ihr Team oder ihr Projekt, findet leichter den Anfang. Ohne dieses Wofür wird jede Wortmeldung zur Prüfung.
Als Stärke nutzen: Formulieren Sie vor dem Termin einen Satz: Was soll nach meiner Wortmeldung anders sein?

Emotionale Selbstwahrnehmung (Emotional Self-Awareness)

Gemeint ist, die eigenen Gefühle zu erkennen und zu verstehen, woher sie kommen.
Beim Sprechen: Wer früh merkt, dass sich Anspannung aufbaut, kann gegensteuern, bevor der Kopf leer wird. Bleibt das Gefühl unbemerkt, kommt die Blockade scheinbar aus dem Nichts.
Als Stärke nutzen: Benennen Sie das Gefühl innerlich in einem Wort, etwa: Nervosität. Schon das Benennen schafft oft etwas Abstand.

Eine Frage für Sie

In welchem Moment eines englischsprachigen Meetings merken Sie zum ersten Mal, dass Sie sich zurücknehmen?
Die Zuordnungen zum Sprechen sind Erfahrungswerte aus meiner Mentoring-Praxis, keine Aussagen von MHS. EQ-i 2.0® ist eine eingetragene Marke von Multi-Health Systems Inc.
Das EQ-i 2.0 Modell der emotionalen Intelligenz mit fünf Bereichen und 15 Teilkompetenzen
Mit freundlicher Genehmigung der Multi-Health Systems Inc., Kanada

Vertiefung: Wie Angst das Selbstbild in der Fremdsprache verzerrt

Selbstwahrnehmung ist die Grundlage des EQ-i 2.0. Für das Sprechen auf Englisch ist ein Befund besonders wichtig: Wie gut Sie Ihr eigenes Englisch einschätzen, hängt stark davon ab, wie angespannt Sie sind.

Ängstliche unterschätzen sich

Peter MacIntyre, Kimberly Noels und Richard Clément ließen Lernende ihre Sprachfähigkeiten selbst bewerten und verglichen das mit objektiven Tests. Ängstliche Teilnehmende unterschätzten ihre Fähigkeiten, entspannte überschätzten sie leicht. Die Lücke zwischen Können und Selbstbild entsteht also nicht im Englisch, sondern in der Bewertung. Viele Führungskräfte, die sich auf B2 einordnen, sprechen in ruhigen Momenten deutlich darüber.

Gefühle benennen dämpft die Alarmreaktion

Matthew Lieberman und sein Team an der UCLA zeigten im Hirnscanner, dass das bloße Benennen eines Gefühls die Aktivität der Amygdala senkt und Bereiche im präfrontalen Kortex aktiviert. Emotionale Selbstwahrnehmung ist damit mehr als Selbsterkenntnis: Wer im Meeting innerlich festhält „Das ist Anspannung, kein Zeichen von Inkompetenz“, verschafft sich messbar Spielraum.

Selbstachtung wächst durch erlebte Erfolge

Albert Bandura beschrieb Erfolgserlebnisse als stärkste Quelle für Selbstwirksamkeit, stärker als Ermutigung oder gute Vorsätze. Für die Selbstachtung im Englischen heißt das: Nicht das Nachdenken über das eigene Können verändert das Selbstbild, sondern eine Reihe kleiner, erlebter Beiträge, die gelungen sind.

Selbstverwirklichung in zwei Sprachen

Selbstverwirklichung beschreibt, ob Sie Ihre Fähigkeiten so einsetzen, wie es Ihnen wichtig ist. Wer auf Englisch dauerhaft unter dem eigenen Niveau spricht, erlebt eine Lücke zwischen Rolle und Wirkung. Diese Lücke ist ein häufiger Grund, warum Führungskräfte ins Mentoring kommen.
Im Mentoring arbeiten wir deshalb mit Aufnahmen und klaren Kriterien. So entsteht ein Bild Ihres Englisch, das nicht von der Anspannung des Augenblicks bestimmt wird.

Ihr nächster Schritt

Quellen

  • Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191–215.
  • Bar-On, R. (2006). The Bar-On model of emotional-social intelligence (ESI). Psicothema, 18, Suppl., 13–25.
  • Horwitz, E. K., Horwitz, M. B., & Cope, J. (1986). Foreign language classroom anxiety. The Modern Language Journal, 70(2), 125–132.
  • Lieberman, M. D. et al. (2007). Putting feelings into words. Psychological Science, 18(5), 421–428.
  • MacIntyre, P. D., Noels, K. A. & Clément, R. (1997). Biases in self-ratings of second language proficiency: The role of language anxiety. Language Learning, 47(2), 265–287.
  • Multi-Health Systems (MHS): EQ-i 2.0, abgerufen am 31.10.2026.