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Emotionale Intelligenz

Selbstausdruck und Sprechen: Emotionaler Ausdruck, Durchsetzungsvermögen, Unabhängigkeit

Selbstausdruck entscheidet, ob Ihre Meinung den Raum erreicht. Auf Englisch geht oft nicht die Meinung verloren, sondern der Mut, sie klar zu sagen.

Der zweite Bereich beschreibt, wie Sie das, was in Ihnen vorgeht, nach außen bringen. Für viele Führungsfrauen ist das der Bereich, in dem sie auf Deutsch souverän sind und auf Englisch plötzlich vorsichtig werden.

Emotionaler Ausdruck (Emotional Expression)

Gemeint ist, Gefühle in Worten und Haltung angemessen zu zeigen.
Beim Sprechen: Auf Englisch fehlen manchmal die feinen Töne, also klingt man lieber neutral. Das wirkt dann distanzierter, als Sie sind.
Als Stärke nutzen: Drei einfache Sätze genügen oft: I'm concerned about… / I'm really pleased with… / I'm not comfortable with… Mehr Nuance braucht es selten.

Durchsetzungsvermögen (Assertiveness)

Gemeint ist, Gedanken, Überzeugungen und Bedürfnisse klar und konstruktiv zu vertreten.
Beim Sprechen: Viele weichen auf Englisch in Fragen und Abschwächungen aus, aus Angst, zu direkt zu klingen. Ihre Position verschwindet dann im Konjunktiv.
Als Stärke nutzen: Ein klarer Satz vorne, die Begründung danach: My recommendation is… because…

Unabhängigkeit (Independence)

Gemeint ist, selbstständig zu denken und zu handeln, ohne von der Bestätigung anderer abhängig zu sein.
Beim Sprechen: Wer innerlich auf das Nicken der Muttersprachler wartet, gibt ihnen die Bewertung ab. Wer unabhängig urteilt, spricht, weil der Inhalt es braucht.
Als Stärke nutzen: Entscheiden Sie vor dem Meeting, welchen Punkt Sie auf jeden Fall einbringen, egal wie flüssig es klingt.

Eine Frage für Sie

Welchen Satz hätten Sie in Ihrem letzten englischen Meeting gerne gesagt und haben es nicht getan?
Die Zuordnungen zum Sprechen sind Erfahrungswerte aus meiner Mentoring-Praxis, keine Aussagen von MHS. EQ-i 2.0® ist eine eingetragene Marke von Multi-Health Systems Inc.
Das EQ-i 2.0 Modell der emotionalen Intelligenz mit fünf Bereichen und 15 Teilkompetenzen
Mit freundlicher Genehmigung der Multi-Health Systems Inc., Kanada

Vertiefung: Warum der Selbstausdruck in der Fremdsprache leiser wird

Viele Führungskräfte erleben ihren Selbstausdruck auf Englisch als gedämpft. Die Forschung gibt dafür zwei Erklärungen, eine emotionale und eine soziale.

Gefühle klingen in der Zweitsprache schwächer

Jean-Marc Dewaele befragte über tausend mehrsprachige Erwachsene, wie stark sie emotionale Wörter in ihren verschiedenen Sprachen empfinden. Wörter in der Erstsprache wurden durchgehend als kraftvoller erlebt als dieselben Wörter in später gelernten Sprachen. Catherine Harris und Kolleg:innen bestätigten das körperlich: Beim Hören von Tadel und Tabuwörtern in der Erstsprache stieg der Hautleitwert stärker als in der Zweitsprache.
Aneta Pavlenko fasste diese Befunde in ihrem Standardwerk zusammen: Mehrsprachige Menschen drücken Gefühle in verschiedenen Sprachen unterschiedlich aus und wählen oft die Sprache, die zur gewünschten Nähe oder Distanz passt. Für Meetings heißt das: Wer auf Englisch Begeisterung oder Ärger zeigen will, braucht Formulierungen, die bewusst vorbereitet sind, weil das spontane Gefühl weniger trägt.

Durchsetzung hat ein Optimum

Daniel Ames und Francis Flynn zeigten an der Columbia Business School, dass Durchsetzungsvermögen und Führungswirkung nicht linear zusammenhängen. Zu wenig Durchsetzung kostet Ergebnisse, zu viel kostet Beziehungen. Am wirksamsten wurden Führungskräfte im mittleren Bereich eingeschätzt. In der Fremdsprache rutschen viele unbemerkt an das untere Ende: Sie formulieren vorsichtiger als gewollt, weil die feinen Abstufungen fehlen, mit denen sie auf Deutsch klar und zugleich verbindlich sind.

Unabhängigkeit und eigene Position

Unabhängigkeit im EQ-i 2.0 beschreibt die Fähigkeit, eine eigene Position zu vertreten, ohne Zustimmung abzuwarten. Auf Englisch zeigt sich das in kleinen Momenten: einen Vorschlag stehen lassen, statt ihn mit „maybe“ und „just“ abzuschwächen.
Im Mentoring bauen wir deshalb ein persönliches Register auf: Sätze für Zustimmung, Einspruch und Begeisterung in drei Stärken, damit Sie auf Englisch genau die Stufe treffen, die Sie auf Deutsch selbstverständlich wählen.

Ihr nächster Schritt

Quellen

  • Ames, D. R. & Flynn, F. J. (2007). What breaks a leader: The curvilinear relation between assertiveness and leadership. Journal of Personality and Social Psychology, 92(2), 307–324.
  • Bar-On, R. (2006). The Bar-On model of emotional-social intelligence (ESI). Psicothema, 18, Suppl., 13–25.
  • Dewaele, J.-M. (2004). The emotional force of swearwords and taboo words in the speech of multilinguals. Journal of Multilingual and Multicultural Development, 25(2–3), 204–222.
  • Harris, C. L., Ayçiçeği, A. & Gleason, J. B. (2003). Taboo words and reprimands elicit greater autonomic reactivity in a first language than in a second language. Applied Psycholinguistics, 24(4), 561–579.
  • Multi-Health Systems (MHS): EQ-i 2.0, abgerufen am 31.10.2026.
  • Pavlenko, A. (2005). Emotions and Multilingualism. Cambridge University Press.