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Angst, Englisch zu sprechen: Ursachen und Auswege
Sprechangst auf Englisch ist Angst vor Bewertung beim Sprechen. Sie blockiert den Zugriff auf Gelerntes, etwa wenn das Wort erst danach einfällt.
Was die Forschung unter Sprechangst versteht
In der Sprachlernforschung heißt das Phänomen Fremdsprachenangst. Elaine Horwitz und ihre Kolleginnen beschrieben sie 1986 als eigene, situationsbezogene Angst und nannten drei Bestandteile: die Angst vor der Kommunikation selbst, die Angst vor Prüfungen und die Angst vor negativer Bewertung. Gemeint ist keine Krankheit. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ordnet die Angst vor dem Sprechen des Englischen ausdrücklich als nicht krankhafte, aber mitunter übermäßige Form der Angst ein.
Warum es oft Menschen trifft, die sonst souverän sind
Horwitz und Kolleginnen beschrieben, dass sich Erwachsene als kompetent und sozial gewandt erleben und in der Fremdsprache nicht so auftreten können, wie sie sich selbst kennen. Je stärker jemand an die eigene Wirkung gewöhnt ist, desto größer kann dieser Bruch ausfallen. Das ist eine plausible Folgerung, kein Ergebnis der Studie.
Passend dazu fand Tsedal Neeley 2013 in einer Studie in einem internationalen Konzern: Beschäftigte, die nicht in ihrer Muttersprache arbeiteten, erlebten einen Statusverlust, unabhängig von ihrem Sprachniveau. Am ängstlichsten waren nicht die mit niedrigem, sondern die mit mittlerem selbst eingeschätztem Niveau. Entscheidend war ihre eigene Einschätzung, nicht ein objektiver Test.
Was dabei im Kopf passiert
MacIntyre und Gardner unterschieden 1994 drei Stufen, auf denen Angst beim Sprachgebrauch wirken kann:
- Aufnahme: Sie verstehen schwerer, was gesagt wird.
- Verarbeitung: Sie brauchen länger, um eine Antwort zu bilden.
- Ausgabe: Das Wort, das Sie kennen, kommt nicht, wenn Sie es brauchen.
Eine gängige Erklärung dafür lautet, dass Sorge Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis bindet. Wer sich beim Sprechen selbst zuhört und bewertet, hat weniger Aufmerksamkeit für den Inhalt übrig.
Was daraus für die Praxis folgt
Die folgenden Punkte sind meine Einschätzung aus der Arbeit mit Führungsfrauen, keine Studienergebnisse.
- Das Wissen ist meist da, der Zugriff fehlt. Mehr Vokabeln lösen dann wenig. Eine einfache Probe: Fällt Ihnen das Wort nach dem Meeting ein?
- Ausweichen wird belohnt. Wer statt des Anrufs eine Mail schreibt, spürt sofort Erleichterung. Genau das hält das Muster am Leben.
- Kleine, frühe Schritte zählen mehr als gründliche Vorbereitung. Ein kurzer Satz, der gesagt wurde, widerlegt die Annahme besser als zehn, die im Kopf geblieben sind.
Wann Sie sich Unterstützung außerhalb von Sprachtraining holen sollten
Wenn die Angst sehr stark ist, Sie auch in anderen Situationen belastet oder Sie körperlich stark darunter leiden, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung der richtige Ort. Sprachmentoring ersetzt das nicht.
Vertiefung: Was die neuere Forschung über Sprechangst ergänzt
Seit den ersten Studien in den 1980er-Jahren ist die Forschung zur Sprechangst in Fremdsprachen stark gewachsen. Vier neuere Befunde sind für Führungskräfte besonders nützlich.
Der Zusammenhang ist robust
Yasser Teimouri, Julia Goetze und Luke Plonsky fassten in einer Meta-Analyse fast hundert Studien zusammen. Ergebnis: Sprachangst und Sprachleistung hängen mit einer Korrelation von etwa r = −0,36 zusammen. Das ist für die Sozialwissenschaften ein mittlerer, verlässlicher Effekt. Er bedeutet nicht, dass ängstliche Menschen schlechter Englisch können, sondern dass Angst die gezeigte Leistung drückt.
Angst verzerrt das Selbstbild
Peter MacIntyre, Kimberly Noels und Richard Clément zeigten, dass ängstliche Lernende ihr eigenes Können unterschätzen. Viele Führungskräfte, die sich für ihr Englisch schämen, sprechen besser, als sie glauben. Die Selbsteinschätzung ist dann kein guter Ratgeber für die Frage, ob Sie sprechen sollten.
Benennen wirkt
Matthew Lieberman und Kolleg:innen konnten zeigen, dass das Benennen eines Gefühls die Aktivität der Amygdala senkt. Ein innerer Satz wie „Das ist Anspannung“ ist damit keine Selbstberuhigung, sondern ein messbarer Schritt zurück in die Steuerung.
Umdeuten statt beruhigen
Alison Wood Brooks fand, dass Menschen, die ihre Aufregung als Vorfreude deuteten, in Reden und Aufgaben besser abschnitten als jene, die versuchten, sich zu beruhigen. Der Körper bleibt aktiviert, aber die Energie wird nutzbar.
Was das für den Alltag heißt
Diese Befunde zusammengenommen ergeben einen realistischen Weg: Die Angst muss nicht verschwinden, bevor Sie sprechen. Sie dürfen sie benennen, als Energie deuten und mit vorbereiteten Sätzen verbinden. Wenn Angst jedoch weit über berufliche Situationen hinausgeht, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung der richtige erste Schritt. Mentoring ersetzt keine Therapie.
Ihr nächster Schritt
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Häufige Fragen
Ist Sprechangst auf Englisch normal?
Ja. Sie ist gut erforscht und tritt bei sehr unterschiedlichem Sprachniveau auf. Neeley fand sie gerade bei mittlerem selbst eingeschätztem Niveau besonders ausgeprägt.
Hilft es, mehr Vokabeln zu lernen?
Wenn Ihr Wortschatz schon reicht, ist er selten der Engpass. Das Wort ist dann da, aber im entscheidenden Moment nicht abrufbar.
Heißt Sprechangst, dass mein Englisch schlecht ist?
Nein. Die Forschung unterscheidet zwischen dem, was jemand kann, und dem, was unter Anspannung zur Verfügung steht. Beides fällt oft auseinander.
Quellen
- Böttger, H. (2025): English Language Speaking Anxiety (ELSA). Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. Folien
- Brooks, A. W. (2014). Get excited: Reappraising pre-performance anxiety as excitement. Journal of Experimental Psychology: General, 143(3), 1144–1158.
- Horwitz, E. K., Horwitz, M. B. und Cope, J. (1986): Foreign Language Classroom Anxiety. The Modern Language Journal, 70(2), 125–132. Volltext
- Lieberman, M. D. et al. (2007). Putting feelings into words. Psychological Science, 18(5), 421–428.
- MacIntyre, P. D. und Gardner, R. C. (1994): The subtle effects of language anxiety on cognitive processing in the second language. Language Learning, 44(2), 283–305.
- MacIntyre, P. D., Noels, K. A. & Clément, R. (1997). Biases in self-ratings of second language proficiency: The role of language anxiety. Language Learning, 47(2), 265–287.
- Neeley, T. B. (2013): Language Matters: Status Loss and Achieved Status Distinctions in Global Organizations. Organization Science, 476–497. DOI
- Teimouri, Y., Goetze, J. & Plonsky, L. (2019). Second language anxiety and achievement: A meta-analysis. Studies in Second Language Acquisition, 41(2), 363–387.